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Vorreiter bei der Nachwuchsgewinnung
Magdeburg, 14. Januar 2026. Sachsen-Anhalt zählte zu den ersten Bundesländern, in denen sich die demografische Alterung der Zahnärzteschaft deutlich und flächendeckend bemerkbar machte. Mit einem Bündel an Maßnahmen zur Gewinnung und Bindung zahnärztlichen Nachwuchses steuert die Zahnärzteschaft, unterstützt von Krankenkassen, Kommunen und Land dagegen. Eine Kooperation, die über Sachsen-Anhalt hinaus Aufmerksamkeit findet.
Fast 80 Zahnarztpraxen standen in Sachsen-Anhalt im Jahr 2025 zur Abgabe. Nur für 30 Prozent fand sich eine Nachfolge. In mehr als 50 Praxen ging das Licht damit unwiederbringlich aus. In Summe hat das Land innerhalb der letzten 5 Jahre über 250 Praxen verloren, in der Regel unwiederbringlich. Während mehr und mehr Zahnärztinnen und Zahnärzte in den Ruhestand gehen, fehlt Nachwuchs, um die Abgänge auszugleichen. „Noch nie sind so viele Zahnärztinnen und Zahnärzte mit der Frage an mich herangetreten: Wer übernimmt, wenn ich gehe? Was wird aus meinen Patienten, wenn ich keine Nachfolge finde?“, erklärt Dr. Jochen Schmidt, Vorstandsvorsitzender der KZV Sachsen-Anhalt und selbst Zahnarzt in dritter Generation aus Dessau-Roßlau.
Neue Wege für den Zahnarztnachwuchs
KZV und Land begegnen dieser Entwicklung dabei auch mit Maßnahmen, die in dieser Form bundesweit einmalig sind. So ist die KZV Sachsen-Anhalt bislang die erste und einzige zahnärztliche Körperschaft, die eine Kooperation mit einer Universität im europäischen Ausland zur Ausbildung von Zahnmedizinerinnen und Zahnmedizinern eingegangen ist. „Wir haben mittlerweile eine Reihe von Programmen, um Nachwuchs zu gewinnen und zu binden, Praxisnachfolgen zu unterstützen und junge Zahnärztinnen und Zahnärzte beim Start zu begleiten. Die Stipendienprogramme bilden dabei den zentralen Baustein“, sagt Dr. Schmidt. Erste Stipendiaten, die mit Förderung der KZV an der Universität Pécs in Ungarn studieren, werden im Jahr 2027 ihren Abschluss machen und dann die zahnärztliche Versorgung unterstützen. Auch das Land setzte wichtige Impulse: Mit dem Landzahnarztgesetz, das im Sommer letzten Jahres beschlossen wurde, hat Sachsen-Anhalts Landtag unter anderem die Finanzierung von zusätzlichen Stipendien fürs das Zahnmedizinstudium im europäischen Ausland auf den Weg gebracht und so die Initiative der KZV gezielt gestärkt. Sachsen-Anhalt ist auch das erste Bundesland, das eine Landzahnarztquote im Zahnmedizinstudium umgesetzt hat. Im Herbst des vergangenen Jahres begann für die ersten vier jungen Frauen, die sich als angehende Landzahnärztinnen dazu verpflichtet haben, nach dem Studium für mindestens zehn Jahre in (drohend) unterversorgten Gebieten Sachsen-Anhalts zu praktizieren, das lang ersehnte Zahnmedizinstudium an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Die Auswahl und Betreuung der Stipendiatinnen und Stipendiaten bzw. der Bewerberinnen und Bewerber für die Landzahnarztquote erfolgt durch die KZV.
Kommunen als starke Partner vor Ort
Neben Land und KZV engagiert sich auch eine wachsende Zahl von Kommunen. Zahlreiche Landkreise und Gemeinden unterstützen Zahnmedizinstudierende inzwischen mit Kombi-Stipendien oder fördern gezielt Niederlassungen vor Ort. „Wir stehen in engem Austausch mit Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern sowie Landräten. Unser Ziel ist es, noch mehr Regionen zu gewinnen, die bei der Sicherstellung einer möglichst wohnortnahen Versorgung unterstützen – und damit die Lebensqualität gerade in ländlichen Räumen nachhaltig stärken“, erklärt Dr. Schmidt.
Gemeinsam gegen den Versorgungsnotstand
„Der Engpass in der Versorgung verschwindet nicht über Nacht. Aber es ist ein Erfolg, dass wir heute gemeinsam mit dem Land, mit Hochschulen, mit den Krankenkassen und den Kommunen konkrete Schritte gehen“, betont Dr. Schmidt. Diesen Weg will die KZV konsequent weitergehen – gemeinsam mit allen Partnern, die Verantwortung für die Versorgung im Land tragen.
